Der Anfang

Es ist nie einfach einen Anfang zu finden, denn manches liegt zurück und ist mit einer beeindruckenden Klarheit beschlagen, andere Dinge liegen im Dunst der Zukunft.

Da man zwar immer nach vorne blicken soll, dies aber nie ohne Blick in den Spiegel der Vergangenheit tun kann, fange ich einfach am Anfang der Suche an.

Es war ungefähr zur selben Zeit, wie sie gerade herrscht. Die Feiertage waren vorüber und wie immer waren sie schön und doch breitete sich ein Gefühl in mir aus, welches mir nicht vollständig klar war. In ruhigen Momenten versuchte ich zu ergründen, was diese Gefühl zu bedeuten hatte. Immer wieder landeten meine Gedanken bei mir als Person – Patricia, 42 Jahre, seit 14 Jahren verheiratet, 2 Kindern, in einem mir gehörenden Haus wohnend, Mann gut verdienend, ich gut verdienend. Klingt alles sehr gut. Ansonsten war ich im Haushalt die führende Persönlichkeit, obwohl dies nicht so meine Rolle war, aber ich nahm sie an. Dieselbe Rolle hatte ich in dem Sexleben mit meinem Mann. Es war nicht schlecht, aber mehr auch nicht. Das war die Bestandsaufnahme und immer wieder machte ich in diesen Tagen diese Aufzählung und auch einen Tag vor Silvester als ich mich mit meiner Arbeitskollegin traf, kam genau diese Rechnung auf.

Ich weiß noch wie sie lächelte und meinte, dir fehlt ein guter Liebhaber. Ich stritt dies energisch ab, denn ich war ja eigentlich glücklich und wollte dieses Glück nicht gefährden. Sie meinte doch genau das sei es, was ich brauchen würde. Ich solle es einfach mal probieren. Dann zeigte sie mir auf ihrem Handy ein Portal. Eines von vielen einschlägigen Portalen, wie sie meinte, aber auf diesem sei sie angemeldet und habe auch schon einige schöne intensive Treffen gehabt.

Du bist doch aber frisch geschieden und nicht wie ich in einer Bindung, welche ich nicht gefährden will, erwiderte ich. Ach weißt du wieviele gebundene Frauen sich hier angemeldet haben und das auch angegeben haben. Sie ließ nicht locker, aber irgendwie schaffte ich einen Themenwechsel und wir tranken einfach unseren Milchcafe weiter und redeten über verschiedene Dinge und zum Glück nicht nochmal über den Beginn der Unterhaltung.

Trotzdem ließ mich dieses Gespräch nicht los und brannte sich in meinen Kopf. Ich weiß noch, wie ich gegen diese Gedanken kämpfte, wenn ich alleine war, aber zum Glück war das Silvester und Neujahr nicht so, doch dann kam der 2.1.2017. Mein Mann und die Kindern waren baden gefahren. Ich konnte nicht mit, da gerade unpässlich war.

Ich habe versucht die Gedanken so gut es ging zu verdrängen und im Haus aufgeräumt und Staub gesaugt und die Wäsche gemacht, aber nach etwa 2 Stunden war ich fertig und ich saß in meinem Lieblingssessel den Laptop auf den Knien. Es wirkt im nachhinein kitschig, aber das Bild des Engels und des Teufels auf den Schultern, war komplett erfüllt und es gewann der Teufel – seit langer Zeit mal wieder und so öffnete ich die besagte Seite, welche meine Arbeitskollegin mir gezeigt hatte.

Zunächst sah ich mich ein wenig um, aber um tiefer reinschauen können, musste man ein Profil anlegen. Ich scheute mich total meine Daten einzugeben, aber wenn ich mehr wissen wollte, musste man dies tun. Und ich wollte ja mehr wissen, um dann zu entscheiden, dass es nichts für mich sei – so dachte ich wie immer völlig rational und logisch. Dabei war ich mir sicher das mein Verstand mich genau so leiten würde. Also Daten eingeben 172cm, 65kg schulterlanges blondes Haar, grüne Augen und die obligatorischen Daten wie Körbchengröße und ob man intim etwas zu verbergen habe oder alles einsehbar war. Den Rest konnte man noch später eingeben, lediglich einen Grund warum man hier war, musste man noch eingeben. Ja was war eigentlich der Grund hier zu sein? Also gab ich ein „Ich habe keine Ahnung warum ich hier bin.“.

Anmeldung abgeschlossen und los kann es gehen, so schrieb mir die Seite. Ich schaute mir verschiedene Sachen und Profile an und kam sehr schnell zu der Ansicht, dass ich hier falsch war. Doch dann blinkte der Posteingang, gerade als ich mein Profil wieder löschen wollte, denn es sollte ja keine Datenleiche herumschweben und irgendwelchen Menschen Hoffnung machen, da bin ich sehr ordentlich.

Innerlich hin und her gerissen glitt der Zeiger der Maus auf den blinkenden Button und ich öffnete die Nachricht, welche mein Leben bis heute beeinflusst und mich an diesen Punkt geführt hat, wo ich beginne dieses Tagebuch zu schreiben. Es stand einfach nur in der Nachricht „Du weißt sehr gut warum du hier bist, doch dir fehlt die Stärke es dir einzugestehen. Der Dominus“.

Das war der Anfang von etwas wundervollen, aber auch erschreckenden, mich an meine Grenzen führenden, welches bis zum heutigen Tage wirkt und wahrscheinlich noch viel weiter in die Zukunft wirken wird, als ich es durch den Nebel der Zukunft sehen kann.

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