Das Treffen

Die eigenen Gedanken können die schlimmste Folter sein und wenn der eigene Kopf noch als Gefängnis für diese Gedanken dient, dann ist man fast hilflos.

So erging es es mir die nächsten 2 Tage nach dieser Nachricht von ihm. Natürlich war ich immer mal wieder online, aber er war nicht da und auch keine Nachricht vom ihm. Der Alltag half mir ganz gut, die Gedanken zu verdrängen, aber in stillen Momenten da waren sie da und quälten mich. Ich eine attraktive selbstbewusste Frau sollte mich so kleiden und mich mit einem wildfremden Mann treffen. Was da alles passieren könnte?

Andererseits er hatte einen öffentlichen Ort vorgeschlagen, wo man sicher war. Und wie wollte er es kontrollieren, ob ich nicht doch etwas drunter habe, was er nicht erlaubt hatte, das würde an so einem Ort nicht gehen. Alle diese Gedanken gingen immer und immer wieder durch den Kopf, ohne das ich eine Lösung gefunden hätte. Ich die sonst rational dachte und Sachverhalte klar analysierte, war in diesem Zusammenhang wie paralysiert.

Der dritte Tag kam. Mein Mann war schon zur Arbeit gefahren. Die Kinder nutzten die Schulferien, um bei Freunden zu schlafen und auch ich hatte noch Ferien. Ich stand auf und machte mir einen Kaffee. Es war gegen halb 9. In zweieinhalb Stunden sollte das Treffen sein. Gerade wollte ich den Rechner anmachen und ihm schreiben, dass es nichts wird, da ich mich nicht traue und nicht bereit bin, da machte ich halt, denn ich drücke mich normalerweise nicht vor unangenehmen Aufgaben und dies war halt auch nur eine. Außerdem wollte ich sehen, ob er den Mut hatte zu kommen.

Kurz vor halb 11 war ich soweit. Ich hatte mich entsprechend fertig gemacht und zog mich nun entsprechend seinen Anweisungen an. Zuerst die Nylons, dann die Hebe. Als ich den Mantel drüber zog, kam ich mir komisch vor, denn es fehlte etwas. Ich knöpfte den Ledermantel zu und machte den Gürtel fest, dann kamen die Stiefel. So stand ich jetzt vor dem Spiegel und betrachtete mich, ob auch wirklich nichts zu sehen war. Nein man konnte nichts sehen.

Die Fahrt im Auto kam mir wie im Tunnel vor. Es zog mich zu dem Einkaufszentrum. Mein Auto stellte ich im Parkhaus ab und ging Richtung des benannten Cafes. Dabei herrschte pures Chaos in meinem Kopf. Ich dachte alles Menschen die mich sehen, wissen das ich nichts drunter trage, was natürlich völliger Blödsinn war. War ich sonst, wenn ich Leder trug, immer selbstbewusst, so kam ich mir jetzt wie ein junges Mädchen auf dem Weg zum ersten Date vor. Fünf Minuten vor 11 Uhr und ich war da. Unsicher stand ich herum. Dadurch wurde diese Enge und Beklemmung in mir noch intensiver. Ruhig atmen Patricia, sagte ich zu mir und beschloss mich schon hinzusetzen. Wenn er wirklich kommen sollte, dann würde er mich finden. Ich setze mich in den hinteren Bereich des Cafes in eine schöne runde Sofaecke.

Ich schaue auf die Uhr des Cafes. Eine Minute vor 11 Uhr. Der Kellner kommt und fragt mich was ich haben möchte. Ich bestelle mir einen großen Milchcafe. Als der Kellner geht steht er plötzlich da. Genau wie beschrieben. Kein super attraktiver Mann, aber er hat das gewisse Etwas. Hallo Patricia es freut mich dich nun endlich persönlich kennenzulernen und noch mehr freut es mich, dass du dich getraut hast zu kommen. Ich lächle zurück und meinte, dass es ein ziemlicher Kampf gewesen sein, wirklich zu dem Treffen zu kommen und dazu noch so gekleidet.

Der Kellner bringt den Milchcafe und für ihn einen großen Kaffee. Nachdem er wieder gegangen ist, werde ich genau gemustert. Wie darf oder muss ich dich den ansprechen, frage ich ihn. Es reicht mit meinem Namen kommt zurück. Ich bin Chris, sagt er freundlich lächelnd. Dann unterhalten wir uns ganz normal, über den Bereich des BDSM und er gibt mir Einblicke in sein Denken und Handeln. Nach gut einer Stunde und einem weiteren Milchcafe meint, er dann zu mir, also erschienen bist du, aber hast du auch alles erfüllt, wie es mein Wunsch war oder hast du versucht zu schummeln? Ich lächle und sage selbstbewußt, dass ich natürlich so gekleidet bin, wie er es gewünscht hat.

Jetzt werde ich von ihm mit seinen nächsten Worten überfahren. Ich fühle mich wieder wie im Tunnel, bloß das ich diesmal auf den Zug schaue, welcher auf mich zugerast kommt. Nun Patricia Worte kann mein einfach sagen, aber nur wenn man die Worte überprüfen kann, dann werden sie zu einer gewichtigen Wahrheit, welche Vertrauen schafft und Vertrauen zwischen uns ist nötig, denn sonst hat dies alles keinen Sinn, denn im BDSM geht es um Vertrauen. Also möchte ich sehen, dass du genau das drunter anhast, was ich gesagt habe. Mir wird heiß und kalt zu gleich, alles dreht sich. Ich stammle leise zu ihm, hier und jetzt im Cafe? Und wo da auf der Toilette?

Bei seiner Antwort merke ich, wie fast dumm ich war. Patricia wir haben doch darüber gesprochen, dass es um der Erfahren von Grenzen geht. Nicht auf der Toilette, dass ist wie in einem billigen Schmuddelfilm, sondern hier und jetzt…

Der Boden wurde mir unter den Füßen weggezogen und ich begann zu fallen. Mein Gehirn wurde wieder zum Gefängnis und die Gedanken zur Folter.